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  • Kerstin Hendel

Anstieg von Lern- und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern wirklich nur in Corona-Zeiten?



1. Warum leiden immer mehr Kinder in Kindergärten und Grundschulen an motorischer Unruhe, Wahrnehmungsstörungen, Konzentrationsproblemen, Sprach-, Lern- und Verhaltensauffälligkeiten, obwohl ihre Intelligenz oftmals gut bis sehr gut ausgebildet ist?


Als systemischer Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie unterstütze ich meine jungen Klienten ihre Stärken zu erkennen und mit Selbstvertrauen durch das Leben zu gehen. Dabei begegnen mir in meiner Praxis zu Beginn der Konsultationen häufig verhaltensauffällige Kinder die nicht nur große Schwierigkeiten beim Lernen und mit der Konzentration haben, sondern die sich schlecht in die häusliche Gemeinschaft bzw. in Kindergarten und Schule integrieren können. Das Resultat sind unglückliche Kinder, verzweifelte Eltern und gestresste Mitschüler und Lehrer bzw. Erzieher. Häufig suchen dann betroffene Eltern eine Lösung in medikamentöser Unterstützung der Kinder, Nebenwirkungen für den kleinen Organismus werden leider mit Blick auf den häuslichen Frieden zwangsläufig akzeptiert. Eine traurige Entwicklung, die sich in pandemischen Ausnahmesituationen weiter verstärkt.

Dabei kann die Ursache für die sich zeigenden Auffälligkeiten beim Kind nicht vollständig integrierte frühkindliche Reflexe sein, die sie stark in ihrer Entwicklung beeinträchtigen.


2. Was sind frühkindliche Reflexe und wofür sind sie überhaupt gut?


Reflexe sind durch unser Stammhirn gesteuerte, biologisch festgelegte, unwillkürliche Bewegungsmuster… Das Wort „unwillkürlich“ drückt es am deutlichsten aus. Auf diese Bewegungsmuster können wir nicht willentlich Einfluss nehmen. Diese Bewegungsmuster entstehen schon während der Schwangerschaft und begleiten das Kind in den ersten Lebensmonaten. Sie sind enorm wichtig für die Entwicklung.


Sie sorgen für eine stabile Verknüpfung zwischen den einzelnen Gehirnarealen, die zum Zeitpunkt der Geburt so noch nicht existiert. Erst wenn eine stabile Nervenverbindung zwischen den einzelnen Hirnbereichen entstanden ist, können wir unser Gehirn vollumfänglich nutzen – also unsere Bewegungen koordinieren, stillsitzen, uns konzentrieren, mit Gefühlen gut umgehen, vorausschauend denken usw.

Des Weiteren sorgen die frühkindlichen Reflexe für den Aufbau eines Muskeltonus (Muskelspannung) im Körper, die wir benötigen, um mit der Schwerkraft umgehen zu können, einen guten Gleichgewichtssinn und Körperwahrnehmung zu entwickeln. Nur so lernen wir laufen und können uns im Raum orientieren.

Erst wenn diese beiden Entwicklungen (Verknüpfung der Gehirnareale und Muskeltonus) störungsfrei vorangeschritten sind, hat ein Kind die neuromotorische Reife erlangt, die für einen erfolgreichen Schulbesuch erforderlich ist.

Jeder einzelne frühkindliche Reflex unterstützt uns bei diesem Entwicklungsprozess und wird nach Erreichen eines bestimmten Entwicklungsstadiums integriert sein. Nun kann das Kind aufgrund seiner Gehirnentwicklung willentliche Bewegungen und Aktionen ausführen. Jetzt wären verbleibende Reflexe störend für die Entwicklung des Kindes, da es ständig gegen die unwillkürlichen Bewegungsmuster ankämpfen muss. Je stärker die verbleibende Reflexaktivität ist, umso mehr werden Funktionen beeinträchtigt, die die Grundlage für Lernen und Verhalten sind. Beispiele sind:

· grob- und feinmotorische Koordination

· Wahrnehmung (visuell, auditiv, sensorisch)

· Impulskontrolle

· stillsitzen können

· Gefühlsverarbeitung

· Konzentration

· Kognition

· Ausdrucksvermögen


3. Aber warum sind bei so vielen Kindern die frühkindlichen Reflexe noch aktiv?

Dafür gibt es viele Gründe: schwierige Schwangerschafts- und Geburtsverläufe (z.B. Kaiserschnitte), zu selten Bauchlagerung des Babys, zu wenig Bewegungsmöglichkeiten durch lange Liegezeiten im Maxi-Cosi, Auslassen von Entwicklungsschritten wie Krabbeln oder auch Lauflernhilfen beeinträchtige eine natürliche Entwicklung des Kindes. Hinzu kommen außergewöhnliche Ereignisse bzw. Situationen, die frühkindliche Reflexe wieder hervortreten lassen.


4. Kann diese Entwicklungsverzögerung aufgeholt bzw. beseitigt werden?

Die gute Nachricht ist, dass wir die Kinder mit einem gezielten Bewegungstraining unterstützen können, den Reifungsprozess nachzuholen.

Als Begründer dieser Methode gilt Sally Goddard Blythe, die schon vor über 40 Jahren in England erfolgreich mit Bewegungsprogrammen die neuromotorische Reife bei Kindern förderte. Der schwedische Arzt Dr. Harald Blomberg hat das Bewegungstraining RMT (Thythmic Movement Training) entwickelt und behandelte über 25 Jahre erfolgreich Kinder mit geistiger und körperlicher Behinderung und AD(H)S-Symptomatiken sowie Lese-Rechtschreib-Schwächen.

Das Sieber & Paasch Institut in München mit dem RIT-Training die Methoden weiter verfeinert und unterstützt seit Jahren Kinder sehr erfolgreich bei ihrer Entwicklung.


5. Wie genau sieht ein RIT-Reflexintegrationstraining aus?


Wir unterscheiden hier RIT-Einzeltraining und RIT- Gruppentraining.

Das RIT-Einzeltraining erstreckt sich über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten. Nach einem ausführlichen Erstgespräch und einigen neuromotorischen Tests kommen die Klienten ein Mal im Monat in meine Praxis. Wir arbeiten schrittweise an den einzelnen frühkindlichen Reflexen. Ich hemme durch isometrischen Druck die Reflexmuster und zeige Übungen, die zuhause täglich 10 Minuten geübt werden. Während der Übungen nutzen wir Klänge zur bilateralen Hirnstimulation. Die häuslichen Übungen sind wichtig, um stabile neuronale Verknüpfungen aufzubauen und das Reflexmuster nachhaltig zu hemmen.

Das RIT-Gruppentraining wurde vom Sieber & Paasch Institut entwickelt, um möglichst viele Kinder zu erreichen. Dabei begleite ich als zertifizierte Trainerin Kindergärten und Grundschulen bei der Einführung dieser Methode. Auch hier wird mit einer Gruppe täglich 15 Minuten trainiert. Das Trainingsprogramm erstreckt sich über einen Zeitraum von 8 Monaten.


6. Warum mir dieses Thema so am Herzen liegt?


Immer wieder erlebe ich Kinder die endlich mit Freude und Zuversicht in die Schule gehen, Selbstzweifel und soziale Ausgrenzung gehören der Vergangenheit an. Ein entspannteres Familienleben ist ein wunderbarer Lohn für Eltern und Kind.

Ich wünsche mir, dass viele Eltern – aber auch Erzieher von dieser Methode erfahren und gezielt unterstützen können. Es sind viele Kleinigkeiten im Alltag, die uns einen Hinweis auf noch aktive frühkindliche Reflexe geben:

- Tollpatschigkeit (immer wieder werden Kleinigkeiten umgeworfen)

- schlechte Körperhaltung

- Gleichgewichtsprobleme, Stehen auf einem Bein ist nicht möglich

- die Kinder stützen den Kopf beim Sitzen ständig ab

- Purzelbäume sind ein Problem

- Brustschwimmen kann nicht erlernt werden

- Verknoten der Beine um die Stuhlbeine oder sitzen auf einem angewinkeltem Bein

- bevorzugte Schreib- und Malposition ist auf dem Bauch liegend

- das Blatt wird zum Schreiben schräg gelegt, d.h. schreiben von unten nach oben

- Beschreiben der Blätter ab oder bis zur Mitte

- Schlechte Stifthaltung, viel Druck beim Schreiben

- schlechtes Schriftbild uvm.


Ich freue mich, wenn ich auch Ihr Interesse für das Thema Reflexintegration wecken konnte. Wer mehr zu dieser Methode erfahren möchte, dem kann ich zusätzlich folgende weiterführende Literatur empfehlen.

Blomberg, Dr. Harald: Bewegungen die heilen, VAK Verlag ISBN 978-3-86731-101-4

Beigel, Dorothea: Flügel und Wurzeln, Verlag modernes lernen ISBN 978-3-80800-535-4 Sieber, Christine und Queißer, Dr. Carsten: Wieder im Gleichgewicht, Kösel Verlag ISBN 978-3-466-31125-


Sprechen Sie mich auch gerne direkt an oder besuchen Sie eine meiner Informationsveranstaltungen.




Ihre Kerstin Hendel

Praxis für systemisches Coaching und Heilpraktikerin für Psychotherapie


www.deine-klangpause.de

037600 745953







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