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Um den Zusammenhang zwischen den heutigen Verhaltens- und Lernproblemen und der Entwicklung im ersten Lebensjahr zu verstehen, schauen wir uns die frühkindichen Reflexe an. Es wird sehr schnell deutlich, warum die Kinder mehr denn je mit diversen Problemen zu kämpfen haben und worin die Ursachen liegen und damit auch die Lösungsansätze zu finden sind. Es wird deutlich, dass unsere Kinder nicht häufiger an Konzentrationsproblemen oder Hyperaktivität leiden, als vor einigen Jahren. Sie sind nicht krank, müssen nicht alle medikamentiert und schon gar nicht mit drogenverwandten Präparaten zum Funktionieren gebracht werden. Vielen Kindern hilft ein gezielter "Schubs" um den Reifungsprozess anzustoßen, damit sich das ganze System des Kindes entsprechend dem hinterlegten biologischen Codes neu organisieren kann.

 

Dabei unterstütze ich SIE und IHR KIND gern mit dem gezielten Training zur Reflexintegration

 Was passiert, wenn die Reflexe nicht vollständig gehemmt sind :

Furchtlähmungs- und Moro-Reflex:

Sind die beiden Stressreflexe bei Kindern nicht vollständig gehemmt, zeigt sich häufig ein verändertes Körperbild. Zeichnen sich diese Kinder selbst, zeigen die Bilder große Auffälligkeiten in den Körperproportionen (überdimensionale Köpfe, fehlende Körperteile). Auch fällt es den Kindern schwer, Körperteile richtig zu benennen.

Diese Kinder sind ständig im Stressmodus - alle Sinne sind hoch sensibilisiert, um die vermeintliche Gefährdungssituation zu bewältigen. Durch die Flut der Wahrnehmungen werden diese Kinder schnell überreizt, sind körperlich unruhig, haben Probleme mit der Aufmerksamkeit, können sich schlecht konzentrieren. Sie tun sich schwer bei der Interaktion mit anderen Menschen, regen sich schnell auf, zeigen ein übermäßig ängstliches Verhalten. Um diese Ängste zu überspielen entwickeln manche Kinder hohen Aktionismus, sind lautstark oder nutzen zunehmend Kraftausdrücke. Wenn der Körper in dieser erhöhten Alarmbereitschaft ist, werden Lern- und logische Denkprozesse nahezu unmöglich.

Kinder mit einem aktiven Moro-Reflex sind meist hypersensibel, reagieren stark auf ihre Umwelt. Sie können besser hören, sehen, schmecken, riechen als ihre Klassenkameraden. Sie äußern Dinge wie "... das weiße Papier blendet mich, .... die schwarzen Buchstaben fangen an zu tanzen, ... bekommen Kopfschmerzen von der Lautstärke in der Klasse, beschweren sich über unangenehme Gerüche .... u.v.m.. Sie sind sehr berührungsempfindlich und so wird das alltägliche Zähneputzen oder Kämmen häufig zur Zerreißprobe zwischen Eltern und Kind. 

Schulkinder reagieren mit Kampf- oder Fluchtverhalten und sind durch ihre Stimmungsschwankungen für ihre Mitmenschen sehr anstrengend. Einige Kinder zeigen sich sehr angriffslustig und vermitteln so ihrer Umwelt, sie seien wenig einfühlsam. Die Kinder haben oft starre Verhaltensmuster. Diese sind ihr Weg, die Angst in der vermeintlich lebensbedrohlichen Situation in den Griff zu bekommen. Veränderungen sind für die Kinder kaum auszuhalten, Belehrungen oder Zurechtweisung erleben sie als "Weltuntergang". 

Der Moro-Reflex ist überlebensnotwendig für das Neugeborene. Er hat jedoch erheblich schädigenden Einfluss auf Lernen, Verhalten und Gesundheit des Kindes, wenn er nicht rechtzeitig integriert wird. Die vom Kind nicht steuerbaren Überlebensmuster behindern eine gesunde Entwicklung des Kindes auf allen  Ebenen.

Tonischer Labyrinth Reflex (TLR)

Diese Kinder zeigen deutliche Gleichgewichts- und Orientierungsprobleme, sie können Entfernungen und Geschwindigkeiten nur schwer einschätzen und laufen sehr unsicher. Sie können rechts und links nicht eindeutig zuordnen. Die Einteilung auf einem Blatt Papier gelingt nicht, die Ausrichtung der Buchstaben ist unsicher. So können sie den Unterschied zwischen einen b und d nicht erkennen oder aus einer 43 wird schnell eine 34. Wenn die Logik der Orientierung fehlt, fehlt sie auch in anderen Zusammenhängen, so z.B. in mathematischen Zusammenhängen oder auch in der grammatikalischen Reihenfolge oder beim Lesen und Schreiben.

Die Körperspannung ist bei vielen Kindern mit aktivem TLR ebenfalls betroffen, dies zeigt sich auch im Gangbild. Nicht selten gibt es auch Probleme beim Sehen.

Asymmetrisch-tonischer Nackenreflex (ATNR)

Ausgelöst durch die Kopfdrehung kommt es zu unbewussten Arm- und Beinbewegungen. Diese Kinder fallen auf, durch häufige Unglücke bei Tisch. Das Übergreifen der Mittellinie ist kaum möglich. Dadurch können manche Aufgaben von den Kindern nicht gelöst werden bzw. sie benötigen unverhältnismäßig viel Zeit.

Im Schulalltag fallen die Kinder durch häufiges Nachfragen auf, denn sie haben große Verständnisprobleme.

Spinaler Galant Reflex

Der Spinale Galant ist die Ursache für zappeliges unruhiges Verhalten - vor allem beim Sitzen, da der Reflex durch einen Druck im Lendenwirbelbereich in Verbindung mit einer seitlichen Beugung des Körpers ausgelöst wird. Alles was am Rücken drückt, ist für die Kinder sehr unangenehm.

Der Spinale Galant ist ebenfalls verantwortlich für eine schlechte Blasenkontrolle, häufiges Wasserlassen oder  Einnässen bei Kindern älter als 5 Jahre.

Landau-Reflex

Kinder mit einem aktivem Landau haben eine schlechte Körperkoordination und Körperhaltung. Sie stützen z. B. beim Sitzen am Tisch den Kopf mit der Hand oder liegen fast mit dem Oberkörper auf dem Tisch. Damit atmen sie deutlich flacher und die Sauerstoffversorgung leidet. Konzentrationsprobleme sind die Folge.

Deutlich sichtbar wird der aktive Landau beim Schwimmen, diese Kinder können nicht Brustschwimmen, da Kopf und Beine aus dem Wasser ragen.

Symmetrisch-tonischer Nackenreflex (STNR)

Dieser Reflex ist bei 75% der Kinder mit Lese-Rechtschreib-Schwäche aktiv. Häufig finden wir in der Biographie dieser Kinder, dass die Krabbelphase ausgelassen wurde. Die Folge sind Sehfehler und Sehschwächen durch unzureichende Koordination der Augenmuskulatur. Das Umschalten zwischen Nah- und Fernsehen funktioniert nicht schnell genug, die Steuerung der Augäpfel läuft nicht synchron. Es entstehen Doppelbilder.

Gleichgewichts- und Koordinationsprobleme gehören ebenfalls zum Störungsbild.

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